VSnet: Die Zukunft

Stéphane Roduit, Präsident von VSnet (Foto: Isabelle Favre)

Stéphane Roduit, seit zehn Jahren Präsident des Vereins VSnet, spricht von seinen Ambitionen und seinen Zukunftsplänen für das Walliser Netz.

Für Hervé Bourlard, Direktor des Idiap, ist VSnet wie eine Familie. Freut Sie dieser Vergleich?

Ja, denn jedes Mitglied trägt zur Strahlkraft der andern bei. Ein Beispiel: Die Tatsache, über eine sehr schnelle Verbindung zu verfügen und der EPFL in Lausanne angeschlossen zu sein, ermöglichte dem Idiap damals, im Wallis zu bleiben. Die Präsenz des Instituts wiederum hat die Niederlassung der EPFL in Sitten begünstigt. VSnet versteht sich gleichzeitig als technisches, menschliches und Kompetenznetz. Es liefert Informationen und bietet Gelegenheiten. 

Ist das Vereinsmodell eine Chance oder schränkt es die Entwicklung von VSnet ein?

Auf jeden Fall ist es ein extrem erfolgreiches und anspruchsvolles Modell in Bezug auf die Machtverteilung. Jedes Mitglied ist gleich stark und alles, was aufgebaut wurde, gehört allen. Ein Verein verpflichtet dazu, die Bedürfnisse jedes Einzelnen zu berücksichtigen: Die Kunst besteht darin, durchzusetzen, dass die «Schwergewichte» auf die Kleinen Rücksicht nehmen und dass Letztere die Erfordernisse der Grösseren verstehen. Es ist auch eine Frage der Kultur. Abgesehen davon bieten wir eine Verbindung, aber wir mischen uns nicht in die Informatiknetzwerke unserer Mitglieder ein. Deren Autonomie geht vor.

 

«Die Wissenschaftsgemeinschaft ist der restlichen Gesellschaft voraus. Es liegt an uns, ihre Bedürfnisse zu erfüllen.»

Stéphane Roduit , Präsident von VSnet

 

Welches sind Ihre Prioritäten für das Netz?

Es unter den besten Bedingungen auf dem aktuellen Stand zu halten. Und privilegierte Kontakte mit dem Kanton und der Glasfaserindustrie aufrechtzuerhalten, um weltweite Leistungen anbieten zu können. Die wissenschaftlichen, kulturellen und akademischen Institute unseres Kantons wie das Idiap, das Zentralinstitut der Spitäler, die HES-SO Valais-Wallis, FernUni Schweiz, RERO und auch unsere kantonalen Schulen sind auf eine Spitzeninfrastruktur angewiesen. Das technische Netz ist zwar gut eingerichtet, in Zukunft möchten wir aber den Austausch zwischen den Institutionen noch vertiefen und mit deren Expertinnen und Experten Diskussionsräume schaffen. Unser Ziel ist es, weitere Innovationen hervorzubringen.

Welche Zukunft zeichnet sich für Wissenschaft Wallis ab?

Heute befassen wir uns damit, wie wir die Marke am besten weiterführen können. Die Überlegungen sind im Gange. Im Beratungsgremium von Wissenschaft Wallis haben wir auch einen konkreten Ideenkatalog erarbeitet. Darin steht beispielsweise die Schaffung eines wissenschaftlichen Netzes, das die ausserhalb des Kantons und im Ausland tätigen Walliser Forscherinnen und Forscher einschliesst, oder die Begleitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich bei uns niederlassen. Auch die Förderung der privaten Forschung, die 70% der Schweizer Forschung ausmacht, ist ein Schwerpunkt, den wir weiterentwickeln möchten.

Kann die Wissenschaft gleich wie die Skipisten und die Natur ein Attraktivitätsfaktor für das Wallis sein? 

Die Wissenschaft zieht zweifellos ein Publikum an. Wir haben Spitzenforscher/innen hier unter uns. Es liegt an uns, diesen Reichtum zu nutzen! Das Ziel von Wissenschaft Wallis ist es, sie besser sichtbar zu machen, wie Kultur Wallis es im kulturellen Bereich vor uns gemacht hat. Aber alleine wird es VSnet nicht schaffen. Unsere Mitglieder müssen Träger sein. Wir müssen unserer jungen Bevölkerung Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung bieten und Beziehungen zu Walliser Forscherinnen und Forschern auf der ganzen Welt ausbauen.

Das Netz wurde während der COVID-19-Krise stark beansprucht. Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Im vergangenen Jahr hatten wir beschlossen, unsere Infrastrukturen zu modernisieren und die Netzleistung zu erhöhen. Dieser Entscheid war nicht selbstverständlich. Müssen wir mit der Technologie mitgehen? Brauchen wir das wirklich? Dann kam COVID-19… und unser Netz war bereit. Was ich daraus gelernt habe? Wir haben in unserem Kanton alle Kompetenzen, um die Zukunft vorwegzunehmen und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Investitionen zu tätigen. Die Wissenschaftsgemeinschaft ist der restlichen Gesellschaft per Definition voraus. Sie hat andere Bedürfnisse. Es ist an uns, diese zu erfüllen.

 

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Diese Artikelserie wird anlässlich des 25-jährigen Bestehens des VSnet-Vereins veröffentlicht. Alle Interviews finden Sie in ihrer Jubiläumsbroschüre:

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